Novasol - es soll sich lohnen norwegisch zu verstehen

Übernachtungen, Sehenswürdigkeiten, Einfuhrbestimmungen, Geldverkehr, etc.
Thies
NF-Stammbesucher
NF-Stammbesucher
Beiträge: 322
Registriert: Mo, 02. Sep 2002, 20:19

Re: Novasol - es soll sich lohnen norwegisch zu verstehen

Beitrag von Thies »

Für die Frage der Besteuerung von Einkünften gibt es bilaterale Abkommen, nennt sich Doppelbesteuerungsabkommen (DBA). Es gibt ein OECD Musterabkommen, was weitegehend allen DBAs zugrundeliegt. Die Staaten regeln da, wer das Besteuerungsrecht in welchen Fällen, für welche EInkommen(steile) hat.

Zinseinkünfte werden danach im Wohnsitzstaat besteuert... Bin ich Steuerausländer in Norwegen, habe also meinen Wohnsitz nicht in N, sondern z.B. in D, dann werden die Zinseinkünfte in N grundsätzlich nicht besteuert, brauchen also auch nicht gemeldet zu werden. Es gibt natürlich schöne feine Ausnahmen und Zinsabschlagssteuern und Anrechnungs- und Erstattungsverfahren und irgendwo weichen auch alle DBAs vom Musterabkommen ab. Ein sehr schönes und kompliziertes Thema. Und es gibt Verständigungsverfahren ... nur zu alt sollte man nicht sein ... will man den AUsgang eines solchen Verfahrens erleben.

Also für mich mit Wohnsitz in D gäbe es nix zu melden in N und daher bräuchte die Bank auch keine Personennummer für mich.

Und das mit den Steuererklärungen wollen wir mal bitte nicht zu einfachen machen :lol: :lol: Schlimm genug, dass es bei ALDi jedes JAhr ein prima ESt-Programm für € 4,99 gibt, dass im Preis-Leistungsverhältnis von gar nichts zu schlagen ist :-? :-? :-? Für die in D zurückgegbliebenen kann ich es übrigens sehr empfehlen. :wink:

Gruß

Thies
:D :D :D

P.S.

Habe gerade mal nachgeschaut, ist tatsächlich so und die Regelung sogar recht übersichtlich:

"Art. 11 Zinsen
(1) Zinsen, die aus einem Vertragsstaat stammen und an eine im anderen Vertragsstaat ansässige Person gezahlt werden, können, wenn diese Person der Nutzungsberechtigte ist, nur im anderen Staat besteuert werden.

(2) Der in diesem Artikel verwendete Ausdruck "Zinsen" bedeutet Einkünfte aus Forderungen jeder Art (auch wenn die Forderungen durch Pfandrechte an Grundstücken gesichert sind) und insbesondere Einkünfte aus öffentlichen Anleihen und aus Obligationen einschließlich der damit verbundenen Aufgelder und der Gewinne aus Losanleihen sowie alle anderen Einkünfte, die nach dem Steuerrecht des Vertragsstaats, aus dem die Einkünfte stammen, als Einkünfte aus Darlehen behandelt werden. Der Ausdruck "Zinsen" umfaßt jedoch nicht in Artikel 10 behandelte Einkünfte.

(3) Absatz 1 ist nicht anzuwenden, wenn der in einem Vertragsstaat ansässige Nutzungsberechtigte im anderen Staat, aus dem die Zinsen stammen, eine gewerbliche Tätigkeit durch eine dort gelegene Betriebsstätte oder eine selbständige Arbeit durch eine dort gelegene feste Einrichtung ausübt und die Forderung, für die die Zinsen gezahlt werden, tatsächlich zu dieser Betriebsstätte oder festen Einrichtung gehört. In diesem Fall ist Artikel 7 beziehungsweise Artikel 14 anzuwenden.

(4) Bestehen zwischen dem Schuldner und dem Nutzungsberechtigten oder zwischen jedem von ihnen und einem Dritten besondere Beziehungen und übersteigen deshalb die Zinsen, gemessen an der zugrundeliegenden Forderung, den Betrag, den Schuldner und Nutzungsberechtigter ohne diese Beziehungen vereinbart hätten, so wird dieser Artikel nur auf den letzteren Betrag angewendet. In diesem Fall kann der übersteigende Betrag nach dem Recht eines jeden Vertragsstaats und unter Berücksichtigung der anderen Bestimmungen dieses Abkommens besteuert werden.
"
Alsterix
NF-Stammbesucher
NF-Stammbesucher
Beiträge: 1741
Registriert: Di, 09. Sep 2003, 18:39
Wohnort: Hamburg/D und Østfold/N - aber meist auf Achse

Re: Novasol - es soll sich lohnen norwegisch zu verstehen

Beitrag von Alsterix »

Schoenes Ding -
wenn ich das richtig verstanden habe braucht also ein braver deutscher Steuerfluechtling
(nicht gerade meine Einkommensklasse, nehmen wir lieber mal als Beispiel jemanden wie die Eigentuemer dieser 4,99Euro-Handelskette)
sich gar nicht mehr die Muehe zu machen die Kohle nach Luxemburg zu schaufeln;
es reicht wenn er selber seinen Wohnsitz irgendwo nimmt wo die Jahressteuer
auch handlich mit ein paar Briefmarken bezahlt werden kann..... :kopfmauer: ?

Und ich hatte bislang angenommen diese Luxemburg-/Liechtenstein- usw. Connections waeren da schwer angesagt, naja, man lernt nicht aus.

Aber um nochmal auf die norwegische Steuererklaerung zurueckzukommen,
die unterscheidet sich doch eigentlich schon sehr angenehm von der deutschen
(sicher nicht bei sehr komplizierten Vermoegensverhaeltnissen, selbstaendiger Taetigkeit etc. , aber sehr wohl beim gewoehnlichen Arbeitnehmer) :
Einmal im Jahr bekommst Du automatisch ein recht handliches Schreiben wo im Grunde schon alle wesentlichen Daten drinstehen - sowohl die Arbeitsverdienste wie die Guthaben auf der Bank kennt das Finanzamt ja schon und traegt das selbst ein. Das bestaetigst Du oder berichtigst/ergaenzt es entsprechend, unterschreibst und schickst es zurueck - fertig.
Da kann allerdings normalerweise kein Steuerberater von leben, das braucht nichtmal son PC-Programm vom Discounter ! :lol:



alsterix
Wer sagt: hier herrscht Freiheit, der lügt, denn Freiheit herrscht nicht. (Erich Fried)

Kultur ist, wenn man aus dem Schädel seines Feindes eine hübsche Trinkschale anfertigt,
Zivilisation, wenn man dafür ins Gefängnis kommt.

Wo gibt`s Høgørøk-Øl ? - http://www.monochrome.com/hogorok

DAS! neue Norwegenforum : http://norwegenforum.foren-city.de email : alsterix@sarpsborg.net
tomboll
NF-Stammbesucher
NF-Stammbesucher
Beiträge: 382
Registriert: Sa, 03. Jan 2004, 17:25

Re: Novasol - es soll sich lohnen norwegisch zu verstehen

Beitrag von tomboll »

Alsterix hat geschrieben:Schoenes Ding -
wenn ich das richtig verstanden habe braucht also ein braver deutscher Steuerfluechtling
(nicht gerade meine Einkommensklasse, nehmen wir lieber mal als Beispiel jemanden wie die Eigentuemer dieser 4,99Euro-Handelskette)
sich gar nicht mehr die Muehe zu machen die Kohle nach Luxemburg zu schaufeln;
es reicht wenn er selber seinen Wohnsitz irgendwo nimmt wo die Jahressteuer
auch handlich mit ein paar Briefmarken bezahlt werden kann..... :kopfmauer: ?
Theoretisch ja, nur muß er dann nicht nur seinen Wohnsitz, sondern auch seinen gewöhnlichen Aufenthalt wirklich dort haben, sprich er darf sich nicht mehr als 180 Tage im Jahr in Deutschland aufhalten, sonst ist er nämlich trotz allem in Deutschland unbeschränkt steuerpflichtig. Frag mal Boris Becker, der dürfte sich in dem Thema aus schlechter Erfahrung auskennen. :lol:

Aber selbst wenn man das schafft: Gewerbliche oder selbständige Einkünfte aus Deutschland können dann aber immer noch in D besteuert werden, wenn sie dort entstanden sind. Ganz so einfach ist die Sache dann also doch nicht.
Thies
NF-Stammbesucher
NF-Stammbesucher
Beiträge: 322
Registriert: Mo, 02. Sep 2002, 20:19

Re: Novasol - es soll sich lohnen norwegisch zu verstehen

Beitrag von Thies »

Das ist richtig, die DBAs verwenden daher den Begriff "ansässig" und definieren an zentraler Stelle, was darunter zu verstehen ist. Die Grenze liegt übrigens bei 183 Tagen und auch die sind mit Vorsicht zu betrachten, da kurzfristige Unterbrechungen regelmäßig nicht mitgerechnet werden. Für jede Einkunftsart gibt es abweichende Regelungen. Bei Zinsen ist es sehr einfach, bei Dividenden schon schwieriger. Auch passive Gesellschaften sind nicht ohne.

BB fällt unter die Rubrik der Beratungsresistenten, ähnlich Vater Graf. Dieser Gruppe ist kaum zu helfen.

Hier reicht es aus, dass ein in D ansässige Person, in D mit ihren Welteinkünften steuerpflichtig ist. Den Rest regeln die DBAs. Es bleibt also dabei, dass die Zinseinkünfte i.S.d. Art. 11 DBA N/D aus Norwegen in Norwegen selbst nicht besteuert werden dürfen. Aus steuerlichen Gründen wird daher eine Personennummer nicht benötigt.

Gruß

Thies
Antworten