Zur Berichterstattung:
Eigentlich hatte ich erwartet, vom Gefühl der "fremde" regelrecht erschlagen zu werden, weil ich vorher noch nie in Skandinavien gewesen war. Nix da. Alles fühlt sich einigermassen vertraut an. Sicher, faktisch sind manche Dinge anders, aber es ist nichts dabei, was mich jetzt vom Hocker hauen würde. Zum Beispiel die Ortsschilder: weil ich vorher viel mit dem Finger auf der Landkarte unterwegs war, kenne ich viele Orts- und Städtenamen und weiss ungefähr was wo liegt. Das betrifft auch den "Stil" der Namensgebung.
Manche Tatsachen finde ich ganz amüsant: wenn man nicht gerade in einer "Metropole" oder in der Nähe einer solchen wohnt, ist man doch ziemlich in der Pampa. Aber auch noch im hintersten Kaff kann man mit Karte zahlen. Auch wir wohnen mit guter Zivilisationsanbindung - solange man sich nicht allzuweit nach rechts oder links von der Strasse entfernt. Dann beginnt das nirgendwo. Mich stört das nicht, genau das habe ich Deutschland gesucht und nicht gefunden.
Es ist hier aber auch die optimale mischung für zivilisationsverwöhnte: alles in erreichbarer nähe und unweit der wald, wie ich mir immer vorgestellt habe, dass er sein müsste (und in Deutschland aus logischen Gründen so nicht mehr existiert): Von lichtem Baumbestand aus schaut man auf eine Wand aus Bäumen. Rein kommt man durch einen Elchpfad.
Und dann wird es sehr still, weil alle zivilisationgeräusche abgeschirmt sind (von denen es hier eh nicht so viele gibt). Und dann kann man über und durch lauter weiche und tuffige Sachen laufen.
Für mich ist in dieser Hinsicht auf jeden Fall ein Wunsch in erfüllung gegangen.
Aber nicht nur dieser: ich kann jetzt gleichzeitig Nettradio hören, internet surfen UND telefonieren! wow!
Meine Sprachprobleme:
mit der telenor gab es ein missverständnis, welches ich dem telenortechniker, der meinen anschluss installierte, auf norwegisch darlegte. er sagte, das sei nicht so tragisch, das liesse sich alles richten. daraufhin hat er mir sein problem mit meinem anschluss geschildert (welches auch kein grosses war). weil er aber sehr schnell gesprochen hat, habe ich nicht alles verstanden, und weil ich nicht sicher war, ob ich wirklich alles wichtige mitbekommen habe, habe ich ihm erklärt, dass ich nicht alles verstanden hätte. Bis hierher lief alles auf norwegisch, deshalb war er plötzlich sehr verzweifelt, weil er nicht einsehen konnte, was es an dem einfachen sachverhalt nicht zu verstehen gab und er nicht wusste, wie er es hätte noch einfacher erklären könnte.
Er war dann wiederum sehr erleichtert, als ich ihm sagte, dass ich deutsche sei, dass es sich also nur um ein Sprach- und nicht um ein Intelligenzproblem handelte.
Dem Mann von der Brandsicherung hab ich das so nicht gesagt, der ist deshalb verzweifelt und will nur noch mit meinem Mann sprechen.
Und noch ein Schlüsselerlebnis:
Anfang der Woche habe ich den Rektor der Grundschule angerufen und mir vorher mein Sätzchen schon ein bisschen zurechtgelegt. Weil ich aber einen mässigen Start in den Tag hatte konnte ich das Norwegisch nur rausnuscheln und dachte so bei mir, dass sich das für den Rektor wohl übel anhören müsse.
Prompt kam ein dickes Lob. was für tolle Fortschritte ich beim Sprechen schon gemacht hätte *kopfkratz*.
Überhaupt habe ich festgestellt, dass es auch ziemlich stark vom Sprecher abhängt, wieviel ich verstehe. Manche Leute verstehe ich super, andere kann ich nur aus großen Augen anglotzen, selbst wenn es sich um einfache Dinge handelt.
Die Kinder
gehen trotz sprachlicher Hürden gern in die Schule und sind insgesamt recht entspannt. Sie sind viel draussen und entwickeln einen enormen Appetit.
Und so haben wir gemerkt, dass wir doch "fremd" sind:
Zuerst haben wir uns die Windpocken eingefangen. Ich hatte noch nie welche, habe mich auch nicht angesteckt, als meine Kinder die in D hatten. Und meine Kinder hatten sie dann halt das zweite Mal. Ausserdem hat sich jeder von uns ne gute Woche mit zum Teil heftigen Magenproblemen rumschlagen dürfen. Aber das scheint mir alles einigermassen logisch: Die letzte Zeit in D war stressig, die erste in No aufregend und das mikrobiologische Milieu ist doch ein anderes. Sowas schlägt dann halt irgendwann auf den Magen. Auswandern ist halt doch keine alltägliche stresssituation. (die verbreitetste Krankheit unter afrikanischen Migranten in Europa ist das Magengeschwür).
Aber das scheint jetzt erst mal alles durch zu sein und ich hoffe es kommt jetzt nicht mehr so viel nach.
Ach ja, die Landschaft:
Die hat sich bei uns so ein bisschen beruhigt und ich werde nicht schon morgens beim aufwachen von grossartigen, spektakulären Dingen erschlagen. Leider oder zum Glück? Keine Ahnung.
Dafür habe ich bei uns in der in einem kleinen Waldstück einen wunderschönen, für norwegische Verhältnisse kleinen, Wasserfall entdeckt, der mich an einen Traum erinnert hat, den ich vor Jahren mal hatte, auch wenn der Wasserfall dort sehr gross war (dass mir jetzt bloss keiner Anfängt zu psychologisieren!). Um dort hinzukommen muss ich bloss über die Hängebrücke, die ich von meinem Fenster aus sehen kann...
Ich denke, das reicht mal für den Anfang,
lg