Hallo!
Thomas M. hat geschrieben:Welche Länder wären das denn , Schweden und Finnland mal ausgenommen ?
Ich glaube wir reden aneinander vorbei. Richtiges "Wildcampen" mit Wohnwagen oder Wohnmobilen, also ein mehrtägiger Aufenthalt mit allen möglichen "Installationen" (Markisen, Campingmöbel etc.) außerhalb des Fahrzeugs, ist ja
implizit in Norwegen auch heute schon verboten. Und selbst der traditionelle "einsame Wanderer mit Zelt", von dem das Jedermannsrecht ja eigentlich ausgeht, darf ja nur maximal zwei Nächte an einem Ort bleiben, und keinerlei Spuren seines Aufenthaltes hinterlassen.
Ein entsprechendes
explizites Verbot würde also effektiv nichts ändern, es sei denn, man würde auch die
einmalige Übernachtung ohne Campingbetrieb außerhalb des Fahrzeuges verbieten. Und sollte man wirklich ein explizites
Übernachtungsverbot einführen, so stünde Norwegen zusammen mit dem österreichischen Bundesland Tirol und einigen wenigen Balkanstaaten so ziemlich alleine da. Die Auswahl an alternativen Reisezielen wäre also groß genug.
Thomas M. hat geschrieben:... aber die Zahl derer, die nur wegen Wildcampen nach Norge fahren dürfte sich in Grenzen halten.
Wie schon gesagt: Nicht
nur, sondern
auch!
Thomas M. hat geschrieben:Die nächsten Häuser sind über 150m entfernt, es ist eine öffendliche Staße / Parkplatz und keinerlei Verbotsschild in der nähe. Also haben diese "Friedhofscamper" nichts verbotenes getan.
Hier war die Rede davon, dass Wäscheleinen zwischen Grabsteinen aufgespannt wurden. In Deutschland würde dies mindestens einen Verstoß gegen die Friedhofssatzung darstellen, also eine Ordnungswidrigkeit, wenn nicht gar eine "Störung der Totenruhe", also eine Straftat. Ich bin mir sicher, dass die rechtliche Lage in Norwegen nicht viel anders aussieht.
Und was das "einfache Parken" betrifft: Die Methode der Wahl wäre die Einführung einer
Parkzeitbeschränkung, oder ein Halteverbot für Wohnmobile/wagen zwischen meinetwegen 22:00 und 06:00 Uhr. Gerade in besiedelten Gebieten gäbe es allerdings noch eine bessere Lösung, eine Methode die z.B. in Deutschland, Frankreich, Italien, der Schweiz und Belgien seit Jahrzehnten erfolgreich praktiziert wird, und in den letzten Jahren auch in Schweden immer häufiger zur Anwendung kommt: Die Ausweisung offizieller
Reisemobil-Stellplätze, auf denen Wohnmobilfahrer ganz legal übernachten dürfen. Natürlich an Stellen, an denen sie eben nicht stören, und meinetwegen auch gegen eine angemessene Gebühr. In Norwegen sind solche Plätze bisher äußerst dünn gesät und praktisch nur in den großen Städten zu finden.
Wenn irgend ein Land Einnahmen aus dem Tourismus erzielen will, dann muss es damit rechnen, dass die Touristen ihr Geld nicht einfach überweisen, sondern dass sie auch
kommen, um es eigenhändig auszugeben.

Und da man sich seine Touristen nicht im Vorhinein aussuchen kann, wird darunter stets auch ein bestimmter Anteil "schwarzes Schafe" sein, die sich nicht zu benehmen wissen. Das gilt übrigens überall, auch die Einwohner der deutschen Hafenstädte wissen über die schwedischen und norwegischen
Sauftouristen, die regelmäßig für Belästigungen sorgen, manch Lied zu singen.
Überdies muss man natürlich die Kausalzusammenhänge richtig auf die Reihe kriegen: Niemand fährt in den Urlaub, um die lokale Wirtschaft des Gastlandes zu unterstützen. Es ist genau umgekehrt: Die Touristen unterstützen die lokale Wirtschaft, um ihren Urlaub genießen zu können. Und das tun sie, gerade in eher "teuren" Urlaubsländern, in aller Regel mit einem
eng begrenzten Budget. Wenn jetzt da eine Branche aus der Tourismuswirtschaft, hier die Campingplatzbetreiber, meint, ein größeres Stück vom Kuchen abhaben zu wollen, dann muss der Rest eben mit weniger auskommen. Denn größer wird der Kuchen dadurch nicht. Eher kleiner.
Fjordhopper hat geschrieben:Hmmm....schwere Vorwürfe. Lange bevor ich eine Reise nach Norwegen antrete sichere ich mit meinem schwer verdienten Geld norwegische Arbeitplätze in Reedereien und stärke damit die Wirtschaft Norwegens. Ein schlechtes Gewissen hatte ich dabei noch nie.
Das brauchst Du auch nicht. Wie gesagt, es ist nicht primärer Sinn und Zweck einer Urlaubsreise, die Wirtschaft des Gastlandes zu fördern. Sinn und Zweck ist, dass Du Dich gut erholst. Die lokale Wirtschaft kriegt schon ihren angemessenen Anteil ab.
Fjordhopper hat geschrieben:Ich frage mich ob jeder Fluggast der irgendwo in der Welt ein last-minute-ticket bucht sich so viel Gedanken macht. Dennoch gönne ich jedem einen schönen Urlaub und einen guten Flug.
Der müsste sich eher Gedanken darüber machen, dass sein Ticket nur deshalb so billig ist, weil es vom Steuerzahler großzügig subventioniert wird...
Fjordhopper hat geschrieben:Aber keine Angst, wir lassen bestimmt genug Geld im Land.
Wir auch, keine Sorge. Wenn man zwei Damen dabei hat, die ein Faible für Kunsthandwerk aus Holz haben, dann reißt das in Skandinavien schnell ein ziemlich großes Loch in die Reisekasse...
MfG
Gerhard
Früher war (fast) alles schlimmer.